Allgemein

Rudolf Ernst Steup wird am 22. September 1841 zu Elberfeld geboren, als Sohn des Friedrich Wilhelm Steup und seiner Ehefrau Wilhelmina, geb. Schäfer.

Er war in erster Ehe mit Luise Mündt aus Ahlfeld verheiratet und nach deren Tode in zweiter Ehe mit Bertha Bartels, Tochter des Brennereibesitzers Bartels zu Northeim. Er machte die Feldzüge 1866 und 1870/71 mit und war Inhaber verschiedener Auszeichnungen, sowie Ritter des Kronenordens vierter Klasse. Er trat 1890 als Zahlmeister in den Ruhestand, beschäftigte sich dann einige Jahre in städtischen Diensten und war die letzten zehn Jahre seines Lebens Direktor der Salinen- und Ziegeleiwerke des Kommerzienrates Levin in Göttingen.

Die Bestallungsurkunde als Zahlmeister lautet:

Der Zahlmeister-Aspirant Steup wird hiermit und in Kraft dieser Bestallung zum Zahlmeister ernannt. Es geschieht dies in dem Vertrauen, daß derselbe Seiner Majestät dem Könige und dem Königlichen Hause in unverbrüchlicher Treue ergeben bleiben und die Pflichten des ihm übertragenen Amtes in ihrem ganzen Umfange mit stets regem Eifer erfüllen werde, wogegen er sich des erforderlichen Schutzes bei den mit seinem gegenwärtigen Amte verbundenen Rechten zu erfreuen haben soll. Zu dessen Beglaubigung ist die gegenwärtige Bestallung unter gewöhnlicher Unterschrift und Beidrückung des Kriegs-Ministerial-Siegels ausgefertigt worden.

Kriegsministerium: gez. Quedenfeld.
Berlin, den 21. Juni 1872.

Am 15.4.1907 starb er an einem Herzschlag. Seine Ehefrau Bertha folgte ihm am 12.3.1919 im Tode. Der Verfasser (Emil Steup) hat die Entschlafene im Briefwechsel als eine geistig regsame und kluge Frau, die besonderes Interesse für die Familiengeschichte zeigte, hoch schätzen und achten gelernt.

-------------------------

Die Tochter aus erster Ehe, Juliane Anna Luise Steup , geb. 1874, war mit dem mit dem Bankbeamten Paul Weitzenberg zu Berlin verheiratet, der am 19.11.1902 starb. Aus der Ehe gingen der Sohn Werner, der 1925 starb, und die Tochter Paula hervor.

Sie heiratete später dessen Bruder Arno Weitzenberg, der damals Pionierleutnant war und 1910 als Hauptmann in Mainz seinen Abschied nahm. Er tat längere Zeit in der Schutztruppe für Südwestafrika Dienst und betrieb nach dem Ausscheiden aus derselben mit Carl Hagenbeck zu Hamburg eine Straußenfarm in der Nähe von Swakopmund in Deutsch-Südwestafrika, die er später allein übernahm. 1914 beteiligte er sich an den kriegerischen Unternehmungen in Deutsch-Südwestafrika. Ist Ritter des Kronenordens vierter Klasse mit Schwertern, und im Besitz des Großherzoglich-Sächsischen Ritterkreuzes zweiter Klasse mit Schwertern. Zuletzt war er Major a. D. der Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika. Aus der zweiten Ehe entstammt der Sohn Horst.

Luise starb im Juni 1943 in ihrem 70. Lebensjahre nach 28-jährigem entsagungsvollen Leben in der Internierung auf der Pflanzung Kassibo bei Rukoba in Deutsch-Ostafrika. Die Tochter Paula Weitzenberg, verehel. Hay, lebt mit ihren Kindern noch in Ostafrika (1943). Horst Weitzenberg und seine Gattin Gertrude mit Kindern hielten sich am 14. 12. 1943 auf Gut Schönfelac bei Pieschen im Kreis Jaroschin (Wartheland) auf.

------------------------------

Der älteste Sohn Heinrich Steup, geb. 13.9.1876 in Northeim, studierte Rechtswissenschaft, war viele Jahre Leiter des Sekretariates der Depositenkasse der Commerz- und Privatbank, Berlin, leitete etwa ein Jahr lang die dem Reichsfinanzministerium unterstellte Postüberwachungsstelle, gründete dann zusammen mit Otto Bernhard die "Steup- und Bernhard-Verlagsgesellschaft mbH, Berlin", und war längere Zeit in der amtlichen Devisenbeschaffungsstelle GmbH, Berlin, tätig, die den Devisenbedarf für die Reichsstellen beschaffte.

Im Jahre 1914 promovierte er auf Grund einer Arbeit über "Das lokale Kreditgeschäft der Berliner Großbanken" zum Doktor der Staatswissenschaften an der Universität Würzburg. Am 29.9.1910 heiratete er Brigitta Scheidt, Tochter des Generaldirektors Edmund Scheidt aus Grodzisk bei Warschau. Die Ehe wurde im Jahre 1917 wieder geschieden.

Am I. Weltkrieg nahm er infolge Reklamation aktiv nicht teil.

In der zweiten Ehe war er seit 6.9.1922 mit Clara Hahn, geb. Krauß, Inhaberin der Anteile der Deutschen Akustik-Gesellschaft mbH in Berlin-Reinickendorf-Ost, Brienzer Straße 4, verheiratet. Zugleich hatte er die Mitleitung der Gesellschaft übernommen.

Er starb am 9.4.1934 in Berlin.

--------------------------

Die Tochter Sophie Dorothea Katharina geb. am 29.11.1888. Sie heiratete den Geheimen Justizrat und Notar Dr. Max Fritzsche zu Windhuk in Deutsch-Südwestafrika. Die Eheleute verzogen später nach Deutschland und lebten 1935 in Leipzig.

----------------------------------------------------------

Der Sohn Wilhelm Steup, geb. 21.9.1879 zu Northeim in Hannover. Besuchte die Oberrealschule in Göttingen, trat dann als Lehrling in die Eisengroßhandlung von Meyer & Westen in Hannover ein und war nach Beendigung der Lehrzeit in verschiedenen Großhandelsfirmen in Hannover und Bremen tätig. Am 1.4.1911 gründete er die Firma Steup & Bauer, Bremen", die sich besonders mit Vertretungen im Eisen- und Maschinenfach befaßt. Die Firma nahm eine gute Entwicklung und zählte 1926 zu den ersten Firmen der erwähnten Geschäftszweige. An Stelle von Bauer trat später Dr. Schmidt in die Firma ein.
Bei Ausbruch des Weltkrieges 1914 stellte er sich sofort freiwillig und wurde als Offizier-Stellvertreter beim Res.-Inf.-Regt. 48 angenommen, mit welchem er an den Kämpfen in Flandern (Antwerpen) teilnahm. Am 13.11.1914 zum Leutnant der Reserve befördert, wurde er zwei Tage später, am 15.11.1914, durch einen Granatvolltreffer vor Ypern schwer verwundet, so daß ihm am 10.12.1914 im Kriegslazarett Brüssel der linke Unterschenkel amputiert werden mußte. Als Kriegsauszeichnung erhielt er für die Kämpfe bei Antwerpen das EK II.
Am 12.12.1916 heiratete er die Krankenschwester Marga Hübel aus Darmstadt. Der Ehe entsprossen zwei Söhne und zwei Töchter.

---------------------------------------------------

Die Tochter Elisabeth Steup geb. 14.9.1881, war Erzieherin in England und Frankreich, widmete sich später dem redaktionellen Beruf und der Schriftstellerei, um während des ersten Weltkrieges als Redakteurin bei der "Leipziger Illustrierten Zeitung" tätig zu sein. Nach Beendigung des Krieges ging sie als Redakteurin und Leiterin des Lektorates zur Deutscnen Gesellschaft für Auslandsbuchhandel über und war seit Dezember 1920 Geschäftsführer in der Gesellschaft für kolonialen Fortschritt, Berlin. Märchen und Artikel von ihr sind in der "Leipziger Illustrierten Zeitung" und anderen Zeitschriften erschienen. So schilderte sie u. a. eine Autofahrt im hohen Norden, die sie von Helsingfors in Finnland nach Lappland unternahm. Die Beschreibung kam in Nr. 173 der Unterhaltungsbeilage des "Wiesbadener Tagblattes" vom 4.8.1925 zum Abdruck. Außerdem erschien von ihr im Verlag Diesterweg, Frankfurt a. M.: 'Wissmann, der Sklavenbefreier Ostafrikas';. An Jugendschriften von ihr kamen ferner heraus: "Wiete will nach Afrika", "Wiete erlebt Afrika", "Carola und Cari" u. a. mehr. Die beiden ersteren Schriften wurden im Zentralblatt der Preuß. Unterrichtsverwaltung von 1934 und 1936 zur Anschaffung für die, Schulbücherei empfohlen.
Sie starb am 17.3.1942 nach kurzer, schwerer Krankheit in Berlin.

-----------------------------------------------

Die Tochter Berta Steup, geb. 10.10.1884, verh. seit 28.6.1910 mit dem Kaufmann Otto Voigts in Windhuk (Deutsch-Südwestafrika). Er nahm als Leutnant der Reserve im Feldartillerie-Regiment von Scharnhorst, Hannover, am Krieg in Deutsch-Südwestafrika teil und starb bei der Rettung eines verwundeten Kameraden, den er auf seinem Pferd beim Rückzug mitnehmen wollte, bei Kakamas den Heldentod. Aus der Ehe gingen die Kinder Ingeborg, Rudolf Ernst und Otto hervor. Sie kehrte mit ihren Kindern später nach Deutschland zurück und lebte 1935 in Braunschweig.

-----------------------------

Der Sohn Ernst Rudolf jr., geb. 10.5.1886. Gehörte seit 14.2.1906 als aktiver Leutnant dem Infanterie-Regiment von Stülpnagel Nr. 48 in Küstrin an, nahm 1914 als Bataillons-Adjutant des I. Bat., Res.-Inf.-Regts. 48, am Krieg in Belgien teil, tat sich dort besonders hervor und wurde bald mit dem EK II. ausgezeichnet. Zum Oberleutnant befördert, kam er nach Rußland und wurde am 7.2.1915 zum Regiments-Adjutant des Res.-Inf.-Regts. Nr. 48 ernannt, als welcher er einige Zeit nachher das EK I. für hervorragende Leistungen im Kriegsdienst erhielt. Am 12.6.1915, nachmittags 2 Uhr, wurde er auf der Gefechtsstelle des Regiments bei Zakrzew (an der Sucha) durch Schrapnellschuß am Kopf tödlich verwundet. Man brachte ihn bewußtlos in das Lazarett nach Lowicz, wo er am 15.6.1915 an seiner Verwundung starb. Am 17. Juni, nachmittags, wurde er auf dem dortigen Friedhof beerdigt.
Sein Regiments-Kommandeur widmete ihm folgenden Nachruf:
"Nachruf! Am 15. Juni verschied im Lazarett an seiner drei Tage vorher erlittenen schweren Verwundung der Oberleutnant des Inf.-Regimentes von Stülpnagel (5. Brandenbg.) Nr. 48, Ernst Steup, Ritter des Eisernen Kreuzes I. und II. Klasse. Seit Beginn des Feldzuges im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 48 als Bataillons-Adjutant und später als Regiments-Adjutant tätig, hat er sich die Wertschätzung aller seiner Vorgesetzten, Kameraden und Untergebenen in hohem Maße erworben. Wir werden diesen begabten und unermüdlichen pflichttreuen Offizier, diesen frischen und fröhlichen Kameraden nie vergessen.
Frhr. von Lützow, Oberstleutnant und Kommandeur des Res.-Inf -Regts. Nr. 48."

-------------------------------------------------------

Die Tochter Sophie Steup, geb. 5.8.1891, starb 1916 an Kehlkopftuberkulose, nachdem sie kurz vorher ihre Prüfung als Musiklehrerin mit Auszeichnung bestanden hatte.

-----------------------------------

Die Tochter Hedwig Steup, geb. 3.10.1892, wurde kriegsgetraut mit dem praktischen Arzt Dr. Christoph Crohn in Bremen, der während des ganzen Krieges (1914/18) als Arzt im Felde stand. Sie selbst betätigte sich in der Heimat als freiwillige Krankenpflegerin. Am 1.6.1933 starb sie. Er folgte ihr am 12.4.1941 im Tode.